Am Grat nach Opora
- Knut

- 30. Aug. 2024
- 4 Min. Lesezeit

Wenn es nur einmal Betten gäbe, die für meine Länge gemacht wären! Wieder eine Nacht, in der ich meine Beine nicht richtig ausstrecken konnte. Wieder eine Nacht, in der ich mich hundertmal gedreht habe. Dementsprechend fühlte ich mich auch nicht fit, aber die heutige Tagesetappe war nicht wahnsinnig lang, weniger Höhenmeter als sonst, somit sollte es auch heute mit der Fitness ausreichen.
Nach einem noch weniger reichhaltigen Frühstück - diesmal gab es nicht mal Brot, dafür kalte, hartgekochte Eier - begann ich relativ spät meinen Aufstieg. Es ging erst über eine Asphaltstraße, dann durch einen parallel verlaufenden Waldweg, nicht sehr steil und gut begehbar, den Berg hinauf.
Der Weg des GTA sollte um den Berg herum verlaufen, bis nach Oropa, einer Pilgerstätte für Gläubige. Es gab aber auch eine kurze Verbindung, nämlich die Asphaltstraße in Serpentinen nach oben, durch einen Tunnel hindurch und auf der anderen Seite wieder nach unten. Eine sehr kurze Etappe, aber natürlich nicht so wahnsinnig aufregend. Noch dazu war die Asphaltstraße aufgrund von Bauarbeiten gesperrt, sodass dort keine bzw. kaum Autos fuhren, nur ein paar Motorräder und Radfahrer. Wäre also die einfachste Option.
Woher ich das weiß mit den wenigen Autos und Radfahren? Ich hatte mich gegen die Variante "um den Berg herum" entschieden und wollte bis ganz nach oben und am Grat entlang laufen. Ich nahm den 'passenden' Abzweig im Wald, der sich aber nach kurzer Zeit im Nirgendwo verlief und ich mich sinnlos durch den Wald kämpfen musste. Anschließend lief ich dann auf der gesperrten Asphaltstraße erst zwei oder drei Serpentinen, um dann eine Abkürzung nehmen zu können. Aber schon der erste Abschnitt der Abkürzung war wieder so zugewuchert, wo man merkte, dass hier wenig Wanderer unterwegs sind. An der dritten und vierten Serpentine war es dann nicht mehr möglich, diese Abkürzung zu laufen und ich ging auf der Asphaltstraße weiter. Zu meinem Glück, denn ich fand einige Brombeersträucher mit wahnsinnig viel reifen Früchten, die ich mir natürlich dann schmecken ließ.
Erst weiter oben war dann doch wieder eine Abkürzung ausgeschildert und gut zu gehen, so dass ich nicht nur auf der Straße laufen musste. Das letzte Stück ging dann durch einen Grashang nach oben. Auch nicht schwierig zu gehen und so war ich relativ zügig oben an der Scharte und hätte direkt wieder absteigen können. Aber ich wollte oben am Grat bleiben und so lief ich zwischen großen Felsblöcken und Bewuchs hindurch hoch auf den Monte Becco (1.730 mNN).
Am Gipfel angekommen - leider ohne Kreuz, die waren alle in Oropa verbraucht worden - machte ich Pause, trank etwas und aß einen Riegel. Leider war ich ständig von Fliegen umgeben, sodass ein langes Sitzen keinen Spaß machte. Aber man hatte einen schönen Blick hinunter zu der riesigen Anlage Oropa. Eine wirklich große Anlage, wahnsinnig viel Häuser und die Kuppelkirche ist das dominierende Bauwerk und von fast überall aus zu sehen.
Es ging weiter am Grad entlang, mit zwei weitere kleine Hügel, durch eine Kuhherde hindurch und am Schluss in Richtung der Poebene ein leichter Abstieg über eine grüne Wiese, bis ich auf den original GTA-Weg stieẞ. Von dort aus war es ein wunderbarer, ebener und toll zu gehender Höhenweg, der erst durch die Grashügel, später durch den Wald ab und zu über Schotterfelder bis zu einem sehr gut ausgebauten Pilgerweg ging. So war ich schon relativ zeitig in Oropa angekommen.
Wirklich beeindruckende Bauwerke, die dort zu sehen waren. Ich ging durch die komplette Anlage hindurch, denn am untersten Ende lag die Touristeninformation. Dort fragte ich nach den Übernachtungsmöglichkeiten, ich wusste nämlich nicht, wo diese zu finden waren. Zufälligerweise war ich genau an der richtigen Stelle, bekam mein Zimmer und die Information, das natürlich kein Abendessen und kein Frühstück dabei sei. Abendessen ist in dieser großen Anlage kein Problem, es gibt dort viele Restaurants. Aber kein Frühstück? Mir wurde gesagt, dass ich hier überall in den Kaffees ein Frühstück bekommen kann - naja, nur ein italienisches Frühstück, ich weiß: ein Croissant und ein Kaffee. Was mir aber eigentlich zu wenig ist. Aber egal. Ich werde das schon organisiert bekommen.
Zimmer bezogen, geduscht, umgezogen, ging ich auf Entdeckungstour. Erst noch im kleinen Laden etwas eingekauft, schaue ich mir die Anlage an. Mit den vielen Nebengebäuden und natürlich der Hauptkathedrale gab es genügend zu erkunden, es waren wirklich schöne Gebäude dabei.
Zwischendurch hatte es stärker geregnet, aber nur kurz, sodass alles nass war. Die Sonne kämpfte sich zurück und genau dieser Umstand bewirkte, dass ich tolle Fotos machen konnte. Die Sonne ließ das Wasser verdampfen und in diesem Wasserdampf bildeten die Sonnenstrahlen wahnsinnig interessante Lichtspiele und in Kombination mit der Kirche und dem umgebenden Wald und den Bergen kamen viele schöne Fotos raus. Ein paar gebe ich euch hier mit.
Leider musste ich bis 19 Uhr warten, bis das erste Restaurant aufmachte, aber auch die Zeit bekam ich rum. Lecker zu Abend gegessen, ging es danach nochmal durch die Anlage hindurch, um zu meinem Zimmer zu kommen. Jetzt, wo kaum mehr Menschen da waren, wirkte die Anlage noch viel schöner. Ein Ort der Stille und aus der alten Seitenkapelle kamen noch Orgelklänge. Es war wirklich schön entspannt und ich ließ mir Zeit mit dem Zurückgehen.
Leider war mein Bett wieder einmal zu kurz und am Fussende senkrechte Gitterstäbe, durch die ich meine Füße stecken musste. Und so wusste ich schon, dass es wieder keine besonders gute Nacht werden wird. Denn jedes Mal, wenn ich mich drehen wollte, musste ich meine Füße zwischen den Gitterstäben herausziehen und neu ordnen. Das kann ja nichts werden, aber vielleicht doch, wir werden sehen.
Bis morgen dann!
Liebe Grüße aus Oropa
Eine kleine Ergänzung für Martina aus der Nähe von Rottenburg am Neckar:
Liebe Martina,
so wie du es dir gewünscht hast, habe ich in der Kathedrale von Oropa eine Kerze für dich entzündet.
Happy birthday! Alles Gute zum Geburtstag!
Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag!
Schön wäre es, du liest den Eintrag und kannst dich darüber freuen, oder - so wie es dein Mann Bruno gesagt hat - du hast es gespürt, als ich die Kerze für dich angezündet habe....













































































































Lieber Knut, das ist das schönste Geburtstagsgeschenk 🕯️das ich je bekommen habe. Herzlichen Dank , daß du meinen Wunsch erfüllt hast, es war für mich mit meiner Erkrankung sehr wichtig !
Natürlich sind wir in Gedanken oft bei dir und verfolgen dich gerne auf deinem Blog .
Es freut mich, daß es mit deinen neuen Schuhe geklappt hat, jetzt wirst du noch „schneller“ sein.
Viel Glück und gutes Vorankommen , wünscht Martina und Bruno