Ein paar Meter mehr - und dann noch ein paar!
- Knut

- 4. Sept. 2024
- 5 Min. Lesezeit

Nein! Alpträume hatte ich wegen der 80er-Jahre Poster nicht. Und auch nicht wegen der Schärpe einen feuchten Traum - alles war wie immer. Oft gedreht, mittelmäßig geschlafen.
Wie immer um halb 8e Frühstück, ohne große Erwartungen, aber heute gab es zumindest Nutella. Aber iiiiiiih. Das war .... Naja. Das Nutella-Glas war echt verschmiert, das Etikett schon von Fett und Öl durchdrängt. Nach dem Aufschrauben sah ich aber, dass das Glas fast komplett voll war. Wie passt das zusammen??? 🤔
Ich vermute, dass dieses Glas seit Jahresanfang (oder noch länger? 🫣) immer wieder aufgefüllt wird mit irgendwas, was Nutella ähnelt. Es war grauenvoll. 🙈
Dann doch lieber Marillenmarmelade aus einem neu geöffnetem Glas 😂
Und für was sind die Müsli-Schüsseln, wenn es gar kein Müsli gibt? Achso, die sind für den Kaffee....
Heute schaffte ich es, um halb 9e fertig zu sein und zu starten. Zeitgleich mit Robert und Klaus, aber ich ging wieder vor. Ich hatte ja ein paar Meter mehr zu gehen, insgesamt sollten es 18,7 km mit 1.340 Hm rauf und 1.330 Hm runter sein. Also los...
Es ging im Tal immer am Bach 'Chiusella' entlang. Somit war es erstmal etwas gemäßigter mit dem Aufstieg. Teilweise im Wald, dann wieder über freie Wiesen oder zwischen Häusern hindurch führte mich der Weg immer weiter ans Ende des Tales. Der Bach hatte tolle Wasserfälle, Gumpen und die Felsen hatten durch die Erosion tolle Formen angenommen. Ich kam gut voran, wobei ich ganz bewusst das Tempo reduzierte, schließlich hatte ich einen durchgehenden Aufstieg vor mir. So wie gestern konnte ich nicht den Berg hoch rennen.
Am Ende des flacheren Tales stand neben dem Wanderweg eine alte, steinerne Brücke über den Bach. Man musste nicht direkt darüber laufen, aber sie war echt interessant. Das sie hier, so abseits von einem Dorf oder Häusern, ihren Standort fand, zeugt davon, dass es hier wohl früher mal eine wichtige Hamdelsroute gegeben haben muss - ist aber nur eine Vermutung.
Es wurde steiler, der Weg schmaler, ein paar Alpen mussten durchquert werden und man sah deutlich, dass ich Höhe gewann. Dennoch war der Blick in Richtung der Scharte weiterhin ernüchternd: immer noch so weit? Und das Ende konnte man noch gar nicht sehen - das hatte ich schon aus der Karte und den Höhenschichtlinien heraus gelesen.
Hilft nichts - weiter laufen. Die Wegweiser, die hier meist auch Zeitangaben enthielten, ließen aber erkennen, dass ich voran kam. Die 4:15 Std. vom Loslaufen waren inzwischen auf 2:30 Std. geschrumpft, später dann nur noch 1:25 Std. Ich hatte mir ausgerechnet: vom Loslaufen bis zur Scharte hatte ich bis 12:45 Uhr Zeit. Das könnte klappen.
Es war landschaftlich heute ein schöner Tag. Auch wenn sich immer mehr graue Wolken zusammen rauften und die Gipfel teilweise schon in Wolken eingehüllt waren, empfand ich es als schöne Anblicke mit ihrem gewissen Reiz. Mit war aber auch klar, dass es sehr wahrscheinlich anfangen wird zu regnen - die Wetter-App hatte es schon für 11 Uhr angekündigt. Aber noch war es nicht soweit. Also weiter! Das Gebimmel von Kuhglocken wurde immer lauter, waren wohl wieder Kühe unterhalb der Scharte unterwegs!? Durch diese durfte ich dann auch im letzten Anstieg hindurch - zum Glück mit nur tiefenentspannten Kühen. "Kurzer Blick - Warum schnauft der so? - Mir doch egal, das Gras schmeckt echt lecker!"
Und dann stand ich endlich oben an der Scharte - um 11:30 Uhr 😳
What? Ich habe mir aber doch Zeit gelassen. Wirklich! Aber ich hatte tatsächlich nur 3:30 Std. gebraucht. Cool.
Hinter der Scharte ging ich noch ein paar Meter hinunter, um ein windgeschütztes Plätzchen zu finden. Verschwitzes T-Shirt aus, trockenes an, Essen und Trinken raus. Nach einer knappen halben Stunde fing es dann tatsächlich wie angekündigt an zu regnen. Glücklicherweise fand ich einen Felsvorsprung, unter den ich mich stellen und umziehen konnte: Langarmshirt und Regenjacke. Es war echt kühl geworden. Und dann auf in den Abstieg. Wie schon im Wanderführer beschrieben, waren ein paar heikle Felsplatten zu überwinden. Und der Regen hatte das Gras und den Stein nass und rutschig gemacht. Es war volle Konzentration erforderlich.
Aber ich kam voran, ein paar seilversicherte Stellen gemeistert, lugte auch kurz die Sonne hervor. Mir wurde warm - also wieder kurzes T-Shirt an, Regenjacke aus. Aber: ihr werdet lachen, kaum hatte ich den Rucksack auf und war losgelaufen, fing es wieder zu regnen an. Echt jetzt??? Also Rucksack runter, Jacke an. Und das war auch gut so - denn dann kam richtiger Regnen. Heftig. Und ich? Fand keinen Unterstand.... Irgendwann ist es dann auch egal, nach nass kommt auch nur nass - nicht mehr. Weiter im Galopp, an ein paar ausgesetzteren Stellen mit Ketten-Sicherung vorbei weiter Richtung Tal. Es wurde immer mehr Wald, kaum mehr Felsen, dafür umso mehr Fliegen....
Unten angekommen erreichte ich die Ortschaft Piamprato, dem eigentlichen Ende der Etappe. Ich hatte aber gestern ja schon geschrieben, dass ich zur Überbrückung der Wanderweg-Lücke zwischen Piamprato und Ronco Canavese eine Unterkunft in Valprato Soana gebucht hatte, mitten im Ort. Waren nur noch gut 6,5 km zu laufen, alles bergab, und einiges auch auf der Straße.
Leider setzte der Regen wieder ein, er hatte kurz vor Erreichen des Tales aufgehört gehabt. Aber nicht so stark - erstmal. Natürlich dann, als ich aus dem Dorf draußen und irgendwelchen Häusern vorbei war, goss es. Ich unter ein paar Bäumen untergestellt, aber erstens ist es dort auch nicht trocken und zweitens kühlt man aus. Eine leichte Verringerung des Regens nutze ich und lief weiter. Bis zum nächsten Platzregen. Warten. Dann über die Hauptstraße runter in Richtung Valprato. Nein, den Weg durch den Wald lasse ich aus - ich möchte nur ankommen.
In Valprato dann die Suche nach der Unterkunft. Laut booking.com stand ich davor, ich fand aber nichts. Ein Anruf brachte keine Erkenntnis, entgegen der bisherigen Konversation auf Englisch verstand meine Gegenüber am Telefon kein Wort davon. Hilft mir auch nicht weiter. Und dann - nach einer viertel Stunde Recherche - die Erkenntnis: das Hostel war gar nicht in diesem Dorf, sondern 2,9 km entfernt, 240 Hm weiter oben in einem Seitental entgegen meiner Laufrichtung. Nee, ernsthaft???
Dann doch lieber die 3 km weiter auf der Straße bergab bis nach Ronco Canavese, dort beginnt morgen dann nämlich die neue Ertappe. Und was ich heute laufe, muss ich morgen schon nicht mehr abspulen.
Also los, vorher noch das Hostel stornieren (auf den 25 Euro bleibe ich hocken), dann mit Gas weiter. Und in Ronco fand ich auch noch eine Unterkunft. Zum Glück.
Wie ich inzwischen rausgefunden habe, gibt es zum Thema Hostel auf der Seite von booking.com ein Problem. Der Vermieter hatte mir geschrieben, dass es mein Fehler war, weil eindeutig auf der (italienischen) Seite von booking steht, dass sie außerhalb liegen. Ein Bild zeigte es deutlich. In der deutschen Version wird das Hostel aber in der Adresse und in der Karte mitten im Ort geführt. 🙄
Mal sehen, ob ich da noch gegenüber booking etwas reklamieren kann. Wahrscheinlich aber eher nicht. Zum Glück waren es nur 25 Euro.
So war ich nach 22 km Wegstrecke und 1.340 Hm rauf bzw. 1.420 Hm runter erst recht spät in der Unterkunft. Duschen, alle Sachen zum Trocknen aufhängen, Abendessen. Und Blog schreiben natürlich.
Aber jetzt ist genug.
Schlaft gut, bis Morgen!
Hausmeister Gru

























































































































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