Gute Neuigkeiten - das Paket ist angekommen
- Knut

- 27. Aug. 2024
- 4 Min. Lesezeit

Il pacco è arrivato! - ein einfacher italienischer Satz, der mich heute zum Strahlen gebracht hat. Wenn es nur immer so einfach wäre.... ☺️
Was dieser Satz übersetzt heißt und warum er mich zum Strahlen gebracht hat, erfahrt ihr gleich...
Nach dem gestrigen, traumhaft schönen Wandertag und dem ausgefallenen, aber leckeren Abendessen war auch meine Nacht besser. Ob es am schönen Tag, dem Weißwein oder an der perfekten Ruhe am Berg lag - ich weiß es nicht. Wahrscheinlich eines Kombination aus allem. Nur die jeden Tag zu kurzen Betten stören.
Die beiden Belgier waren schon aufgebrochen, ich sah sie kurz nach dem Klingeln meines Weckers an meinem Fenster vorbei gehen. Da haben wir wohl unterschiedliche Startzeitpunkte für den heutigen Tag. Okay, ich musste ja auch nur runter, sie hatten etwas mehr vor der Brust.
Somit frühstückte ich alleine im Gastraum, auch hier war es etwas anders als sonst: es gab Müsli, Butter und Brot (scheinbar selbstgebacken), als Marmelade stand selbstgemachtes Pflaumenmus und Rhabarbermarmelade auf den Tisch. Sehr lecker.
Bis ich gezahlt, alles im Rucksack verstaut, die Flaschen aufgefüllt und ich mich mit Sonnencreme vollgeschmiert hatte, war es doch wieder 9 Uhr. Aber ich hatte tatsächlich keine Eile, es ging fast nur runter, ergänzend war die Wegstrecke nicht so weit. Das ist der Charakter des GTA: kurze Etappen, ordentlich Höhenmeter rauf oder/und runter, zwei Etappen zusammen sind aber zu viel und dazwischen wird es schwierig mit Übernachtungen. Ich hoffe darauf, dass es mir noch gelingt, hier etwas zu optimieren....
Der Abstieg ging sehr gemächlich und in weiten Serpentinen in der morgendlichen Sonne Richtung Tal. Ich blieb immer wieder stehen, schaute nach den Bergen, einem Murmeltier (das sich kurz vor mir noch schnell in seinen Bau gerettet hatte) und machte ein paar Fotos. Der Weg war wie so oft mit Steinplatten ausgelegt, zumindest auf der Seite zum Tal hin. Ich nutze diese, da es sehr viel angenehmer ist, auf ihnen zu laufen als im Gras mit ständigen Steinen dazwischen.
Ich konnte sogar meine Stecken weg lassen, trotz der geplanten 870 Hm runter ging es auch ohne. Und ich ließ mir echt Zeit, das war schon fast ein Schlendern denn ein Wandern. An einer Stelle hörte ich neben dem Weg ein Gluckern, als ob ein Bach unter den Steinen verlaufen würde - man kennt es von Schotterfeldern. Aber es waren nur ein paar große Felsblöcke vorhanden, dazwischen wuchs Gras. Aber es war tatsächlich so, dass hier weiter unten Wasser sich seinen Weg bahnte. Lustig. Und schließlich entdeckte ich dann einige Meter weiter unten die dazugehörige Quelle.
Im Verlauf des Abstiegs querte ich eine Alpe, es waren Ausläufer des Dorfes Piedivacallo, das ich ebenfalls kurz darauf erreichte. Die Häuser waren teils wirklich schön hergerichtet. Ich machte einige Fotos, irgendwie gefiel mir heute diese dörfliche Stimmung.
Am Ortsende ging es in den Wald auf einen schön hergerichteten Höhenweg. Da es zeitlich passte und ich lieber im Schatten sitzen wollte, nutzte ich eine kleine Mauer zum Hinsetzen. Die Sonne schien durch die Bäume, es ging ein angenehmer Wind. Und so aß ich meine Mittagsmahlzeit in aller Ruhe.
Naja, Ruhe nur bedingt. Ein Hubschrauber (den ich nicht sah) kam mehrfach angeflogen und stand dann oberhalb des Waldes in der Luft - sehr wahrscheinlich Materiallieferung oder Arbeiten mit Helikopter-Unterstüzung. Später sah ich dann, dass wohl ein Mast montiert wurde.
Und plötzlich donnerte es noch dazu. Genau über mir - ohne Vorwarnung. Wirklich. Es schien die Sonne, es regnete (noch) nicht, grummelte und donnerte aber unmittelbar über mir. 😳
Okay! Und nun? Da noch kein Regen vom Himmel kam, blieb ich erstmal sitzen. Fertig mit Vespern, packte ich mein Regencape über den Rucksack und ging weiter. Kaum aus dem Wald draußen, fing es an, dicke Tropfen runter zu lassen. Im nahen Dorf stellte ich mich erst unter ein kleines Vordach, dann unter einen dichten Busch. Ich stand in der Sonne, aber es fielen dicke Tropfen herab. 😄
Es wurde weniger, ich ging weiter, es wurde wieder mehr, ich suchte etwas Schutz - so ging das eine halbe Stunde. Ich wollte eigentlich an einem Bach entlang im Wald einen anderen Weg als den GTA gehen. Da sich diese Alternative aber nicht als sehr vertrauenswürdig anließ und alles vom Regen nass war, ging ich ein Stück zurück und lief eine Schotterstraße bis zur Hauptstraße zurück. Hier in diesen Tälern sind die Straßen ja nicht so stark befahren, da kann man auch ruhig daran entlang laufen, ohne ständig an den Abgasen zu schnuppern. Nach einigen Minuten erreichte ich Rosazza, einem sehr schönen, kleinen und mit verwinkelten Gassen versehenen Dörfchen. Wieder einige Fotos geschossen - heute eher Häuser statt Berge.
Als ich zum hundertsten Mal mein Handy in der Hand hatte, um nach dem Weg zu schauen und Fotos zu machen, zeigte es mir an, dass ich eine neue Nachricht hatte. Es war eine Mitteilung des Hotels in Quincinetto, welches ich über booking.com gebucht hatte. Es war vom Gastgeber eine Mitteilung: "Il pacco è arrivato!" - "Das Paket ist angekommen!" Mein Paket mit meinen neuen Wanderschuhen ist eingetroffen. Juhu!!!! Es hat geklappt. Kaum zu glauben! Wenn ich am Freitag dort ankomme, kann ich endlich auf neue Sohlen und mehr Platz für meine Zehen setzen. Was für eine tolle Nachricht! Ich glaube, wenn mich jemand erblickt hätte - er hätte mein Strahlen gesehen. ☺️ Ich glaube, da muss ich allen Beteiligten sehr, sehr dankbar für sein!
Nun konnte ich erleichtert auch den letzten Teil des Weges in Angriff nehmen. Ich musste noch knapp zweieinhalb Kilometer durch einen Wald leicht den Berg hoch, bis zum Santuario San Giovanni d'Andorno. Auch diesmal grummelte und donnerte es über mir, zum Glück blieb es aber bei Geräuschen ohne Regen. Und dabei schien weiterhin die Sonne - irgendwie wirred heute.
Ich kam in San Giovanni an, fragte im Restaurant nach einer Unterkunft und wurde prompt in ein Zimmer geführt. Sechsbett-Zimmer, sehr spartanisch, aber dafür für mich alleine. Und die Sanitäranlagen sind sehr ordentlich und wirken relativ neu. Endlich war auch wieder Duschen möglich. 😄
Den Nachmittag über schaue ich mir die Anlage an und plane etwas an den weiteren Tagesetappen. Das Abendessen war dann sehr gut, aber nicht so aufregend, heute hatte ich keine Gesellschaft. Macht aber nichts, muss nicht jeden Abend sein.
Morgen geht es in Richtung der Pilgeranlage "Opora", eine Wallfahrtsstätte für fast 300.000 Pilger jedes Jahr. Da bin ich gespannt. Der Weg ist nicht wahnsinnig weit, ich denke, ich laufe noch einen Umweg über einen Gipfel - trotz alter Schuhe.
Bis dann,
Knut

































































































Nicht verpassen, in Oropa die Reste der ehemaligen Straßenbahn anzusehen! 🚎