Im Blaubeerenland zu den Gipfeln
- Knut

- 22. Aug. 2024
- 3 Min. Lesezeit

Die Nacht im Refugio Alpe del Lago war sehr ruhig gewesen. Keiner der anderen drei Männer (Martin, Matthias und Ferdinand) hatte geschnarcht. So war ich gut ausgeruht und wir starteten den Tag gemeinsam. Jeder machte sich sein eigenes Frühstück, aber wir konnten zusammen essen, was natürlich immer schöner und unterhaltsamer ist.
Nach dem Frühstück (bei mir gab es wieder Haferflocken und Tee) räumten wir die Hütte auf, fegten noch einmal durch und schauten, dass wir die Hütte in einem ordentlichen Zustand für die nächsten Übernachtungsgäste zurücklassen.
Der erste Aufstieg (ich ging alleine) erfolgte noch im Schatten. Es war schon fast kühl, aber noch auszuhalten. Was aber beim Aufstieg natürlich besser ist als brennende Sonne. Es ging durch ein riesiges Gebiet voll mit Blaubeer-Sträuchern. Und alles hing voll. Überall leuchteten die Beeren. So viel konnte man gar nicht essen. Einige waren auch schon überreif, aber lecker waren sie allemal. Und es ging lange durch diese Büsche.
An der ersten Scharte dann die Sonne. Wie schön. Und der Blick ins Tal und die Berge war wunderschön. Zwar in leichtem Dunst, aber trotzdem mit einem gewissen Reiz. Und da die heutige Etappe auch nicht sehr lang war, konnte ich mir Zeit lassen, zwei Blogs veröffentlichten (endlich gab es wieder Internet), und die Aussicht genießen. Alles ein bisschen entschleunigt. Und nicht im Wald mit vielen Mücken. 🥳
Der Weg änderte sich, er wurde breiter und man sah, das hier Schafe unterwegs gewesen sein mussten: alles abgefressen, niedergetrampelt und vollgesch.... 😂
Bis zur nächsten Alpe wurde es immer schlimmer. Man lief schon fast auf einem weichen Teppich aus Sch..... Kot! Boah, entsprechend der Geruch und die Anzahl der Fliegen. Muss nicht sein, lieber schnell weiter.
Um einen Hügel herum, ein schönes kleines Tal hinauf, überall wieder Blaubeersträucher, eröffnete sich eine kleine Ebene mit einem See. Oh, wie ich das liebe! Und von der Zeit her passte es perfekt für eine Mittagspause. Also hingesetzt, Rucksack runter, Vesper rausgeholt und auf einen Stein am Wasser gesetzt. Wären da nicht die vier Italiener gewesen, wäre es so traumhaft ruhig gewesen. Aber über Italiener und ihre Art und Weise laut zu sein, hab ich mich schon öfters ausgelassen - heute nicht.
Nach über einer Stunde mit Blick über das Wasser, die Berge und die schönen Wiesen außen herum, machte ich mich auf zu den letzten Höhenmetern. Viele waren es nicht mehr bis zur Scharte auf 2.037 mNN. Dort angekommen, ließ ich meinen Rucksack zurück und machte noch einen kleinen Abstecher auf den Cima Ravinella (2.117 mNN). Die paar Höhenmeter waren ohne Rucksack in 6 Minuten erledigt (was war das für ein komisches Gefühl, so ohne Gewicht am Rücken). Der Gipfel war vollständig begrünt, ich konnte mich ins Gras setzen und den Rundumblick genießen. Nicht viel mehr als an der Scharte, aber irgendwie doch ein viel besseres Gefühl! 🥰

Nun folgte noch der Abstieg ins Tal nach Campello Monti. Ich hatte noch keine Unterkunft, aber ich hatte gehört, dass es kein Problem sein sollte, dort etwas zu bekommen. Mein Weg führte erst entspannt, später in großen Serpentinen hinunter. Es war sehr schön zu gehen, auch nicht sehr anstrengend und die Sonne war nicht so heiß wie die letzten Tage, es hatte Schleierwolken. Noch an einer schönen Bachquerung vorbei, erreichte ich relativ früh das Ziel. Das Örtchen war sehr schön am Hang gelegen und viel besucht, vor allem auch von Wanderern, die den GTA laufen. Zudem standen an der 'Hauptstraße' ganz viele Autos entlang. Ich hatte schon Bedenken, dass es hier einen Feier geben könnte und damit die Übernachtungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.
Ich ging zur Unterkunft und fragte - gebongt. Na also, geht doch.
Den Nachmittag verbrachte ich damit zu organisieren, wie die nächsten Tage verlaufen sollen. Am Freitag (nächster Woche) bin ich in Quincinetto in einem Hotel eingebucht und dort werden auch meine Schuhe hin geliefert - so es GLS will und ermöglicht. Und bis dorthin muss es funktionieren mit den Etappen. Ergibt übermorgen eine Hammeretappe mit 1.500 Hm rauf, 1.000 Hm runter bei knapp 18 km Wegstrecke.
Aber nach den heutigen und morgigen Halbtagesetappen muss ich auch mal wieder liefern. Sonst wird das nix mit Nizza Ende September....
Am Abend aß ich mit einem der drei vom Refugio zusammen. Ferdinand ist alleine unterwegs und war im gleichen Hotel untergebracht. Wir erzählten, aßen und tranken einen Wein - was man in Italien so abends macht.
Und mit der Wein-Schwere werde ich mich nun auch zur Ruhe legen.
Bis Morgen, ihr Lieben!
Wenn ihr möchtet!
Gruß aus Campello Monti







































































Wir haben heute im Büro gerätselt...: Das Matterhorn ist aufgeschoben?
Wie lang ist der GTA? Wikipedia meint 1000 km mit 55 Etappen (für Italienisch- und Englischsprachige) bzw. 65 Etappen (für Deutschsprachige). Das kommt uns viel zu lang vor...