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Mit langem Hatsch ins Traumhaus

  • Autorenbild: Knut
    Knut
  • 26. Aug. 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Der heutige Tag sollte mich von Rima nach Sant Antonio bringen. Ein 16 km langer Weg, gespickt mit 1.100 Höhenmeter rauf und fast 1.300 Höhenmeter runter. Vorher wollte ich noch mit Martina und Bruno frühstücken. Ich hatte nicht gefragt gehabt, wann es Frühstück gibt und so ging ich um 7:30 Uhr in den Bereich der Bar. Es war nichts zu sehen. Auch in den Abendessenräumen war nichts aufgedeckt. Also setzte ich mich vor das Hotel, um zu warten. Um kurz nach 8 Uhr fragte mich der Wirt, auf wen ich warten würde. Ansonsten könnte ich doch frühstücken kommen. Ja, und das Frühstück bestand dann daraus, dass ich gefragt wurde, welche Füllung ich im Croissant haben wolle, ob ich einen Kaffee oder Tee mag und ob ich eventuell einen Joghurt, einen Kuchen und etwas Obst wollte. Und so wurde dann das Frühstück einzeln beigestellt und war sehr spärlich vom Umfang her. Ich hatte aber aufgrund keiner großen Sympathie für das Hotel keine Lust, noch mehr nachzuordern oder zu fragen ob ich mehr haben könnte. Es war mir zu doof.



Als ich meine Sachen zusammen hatte und noch bezahlen, musste, saßen Martina und Bruno gerade auch beim Frühstück. Wie redeten noch kurz, das mit dem Abfotografieren der GTA-Etappen aus dem Rother Wanderführer ließ ich dann doch sein. Ich wollte los, es war schon kurz nach 9 Uhr und die heutige lange Etappe wollte ich nicht zu spät angehen.


Ich startete mit einem Marsch durch das Dorf, der jedoch nur kurz andauerte. Anschließend ging es sofort in den Aufstieg, doch diesmal war es nicht ganz so steil. Der Weg war mit Steinplatten ausgelegt und gut zu gehen, in Serpentinen gelangte ich nach oben, der Blick zurück auf das Dorf war sehr schön. Leider hielt auch dieser Aufstieg keine großen Überraschungen oder Besonderheiten bereit. Durch die tief hängenden Wolken war heute die Aussicht sehr eingeschränkt und unterschied sich wenig von denen der letzten Tage. Auch heute kam ich wieder durch einige Bereiche mit vielen Blaubeersträuchern. Und wieder konnte ich nicht widerstehen und sammelte mir ein paar Handvoll. Auf dem Weg nach oben zur Scharte überholte ich einige Italiener, die in Grüppchen unterwegs waren.

Doch heute merkte auch ich, dass das kleine Frühstück und die Anstrengungen der letzten Tage an mir zehrten und so wurde ich nach einer Stunde schon deutlich langsamer und hatte etwas zu kämpfen. Links von mir sah ich unterhalb einer steilen Felswand noch große Restschneefelder. Es war also auch hier die letzten Tage und Wochen recht kühl gewesen.



Nach zwei Stunden hatte ich die Scharte erreicht und konnte glücklicherweise auf der anderen Seite überraschenderweise auf einen blauen Himmel blicken. Es zog zwar ein kühler Wind durch die Scharte, aber endlich mal wieder Berge zu sehen, die nicht komplett in Wolken eingehüllt waren, erfreuten mein Herz. In Sichtweite lag ein Refugio. Ich hatte dieses schon auf der Karte gesehen und so ging ich zielstrebig dorthin, um mein zweites Frühstück einzunehmen. Es bestand wieder aus Kuchen - etwas anderes gibt es hier in Italien wohl nicht. Aber er war lecker!



Nachdem ich mit dem zweiten Frühstück fertig war - es war gerade mal 11 Uhr - ging ich in den Abstieg über. Dieser war deutlich unangenehmer zu laufen als gestern: viele Steine, viele Stufen und immer wieder auch Gras, das von der Nacht feucht war. Am heutigen Tag merkte ich immer wieder, dass tatsächlich meine Schuhe am Ende ihrer Lebenszeit angekommen waren. Die Sohle ist inzwischen so arg abgelaufen, dass kaum mehr brauchbares Profil vorhanden ist und so rutschte ich immer wieder über glatte Steine oder auch Grasbüschel aus. Aber nichts dramatisches, ich fiel nicht hin, aber es war unangenehm. Und man musste mehr aufpassen.



Ich kam immer weiter nach unten, es wuchsen mehr Bäume und bald darauf war ich auch im Wald angekommen. Hier hatte ich nicht richtig aufgepasst und war einen etwas anderen Weg gelaufen. Auf der Karte sah ich, dass dies keinen großen Unterschied machen würde. Also blieb ich auf der Strecke und folgte dem anderen Weg, der mich genauso bis nach unten ins Tal brachte wie der ursprüngliche Weg des GTA.



Ich erreichte die ersten Häuser der Ortschaft Alagna Valsesia, das wohl im Winter auch Skifahren eine sportliche Aktivität bietet. Es war auch diese Ortschaft, in das ich ursprünglich mein Schuhpaket schicken wollte. Aber das 4*-Hotel hatte keinerlei Reaktion auf eine Mailanfrage gezeigt, sodass es nicht geklappt hat.



In der Ortschaft selbst fand ich einen kleinen Laden, der mir Obst, Riegel, ein Getränk und etwas Eis verkaufte. So konnte ich meine Vorräte auffrischen. Ich suchte nach einem schattigen Plätzchen, um das Eis zu essen, fand aber nur Bänke in der Sonne. Und so setzte ich mich kurzerhand in eine Grundstückseinfahrt auf die Wiese, um nicht in der prallen Sonne sitzen zu müssen.


Der weitere Weg durchs Dorf bzw. im Tal am Fluss Sesia entlang war wenig spektakulär, aber es war auch mal schön, nicht nur Höhenmeter schruppen zu müssen. In der nächsten Ortschaft bog ich in ein Seitental ab. Ich musste erst einen sehr steilen Grasweg, später dann über eine dunkle, neu asphaltierte Straße laufen, immer bergauf in der prallen Sonne. Ich fing noch einmal deutlich zu schwitzen an. Mir kamen sehr viele Italiener entgegen, aber eben alle auf dem Weg nach unten. Das Tal war wohl sehr beliebt als Ausflugsziel und da es Sonntag war, waren entsprechend auch viele Ausflügler unterwegs.

Nach einer guten halben Stunde erreichte ich San Antonio, dem Dorf, in dem ich im Refugio Valle Vogna eine Übernachtung haben wollte. Ich ging hinein, fragte und bekam leider die Antwort, dass sie keine Zimmer vermieten. Mist. Aber der Wirt bot mir an, jemanden anzurufen, bei dem ich unterkommen könnte. Es wären nur 20 Minuten Gehzeit von hier, einfach die Straße entlang. Ich nahm das Angebot an, er telefonierte und gab das okay. Wunderbar!



Ich startete in meine Zusatzkilometer und dachte, ich müsste nur die Straße ein Stück weiterlaufen. Da sollte ich mich aber gewaltig getäuscht haben. Nach einigen Metern auf der Asphaltstraße ging diese in eine Schotterstraße über, die noch einige zusätzliche Höhenmeter für mich bereit hielt, und aus den 20 Minuten, die der Wirt geschätzt hatte, wurden schlussendlich fast eine dreiviertel Stunde, 150 zusätzliche Höhenmeter und weitere 3 km Wegstrecke auf den eh schon langen Tag oben drauf. Nach einigem Suchen fand ich dann auch die Unterkunft. Und was für eine Unterkunft! Ein Traum von einem Haus, aus uralten Holz gebaut. Die Balkone mit Holzlatten davor. Zwar niedrige Deckenhöhe, aber ganz toll renoviert. Eine Kombination aus altem und neuem Holz, mit neuer Austatttung, schön gepflegtem Rasen davor und auch die Einrichtung hatte Stil und Geschmack und war genau nach meinen Vorstellungen. Ich hatte ein kleines Zimmer mit drei Betten, ein eigenes Bad und es gab sogar WLAN. So konnte ich den Kontakt nach außen wiederherstellen. Im Tal gab es keinen Empfang.



Wie so oft verbrachte ich denn Nachmittag mit Blog schreiben und organisatorischen Dingen, bevor es relativ spät kurz vor 8 Uhr Abendessen gab. Es waren nur noch drei Leute - scheinbar ein Filmteam, das für eine Reportage Vorbereitungen traf - als Übernachtungsgäste da. So war es ein Abendessen zu viert, teilweise auch mit den Wirtsleuten, die leckeres Essen und eine sehr angenehme Stimmung verbreiteten. Gegen 10 Uhr war ich der letzte, der sich in die Nacht verabschiedete.


Und gute Nacht sage ich nun auch euch.


Bis morgen.

Liebe Grüsse


Euer Knut

 
 
 

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