Nacht der Verwandlung
- Knut

- 5. Sept. 2024
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Okt. 2024

Der Tag begann, wie er gestern aufgehört hatte: stürmisch, regnerisch, mit Blitz und Donner! Das kann heute nichts werden, es wird wohl tatsächlich der erste Schlechtwettertag meiner Wanderung. Wow!
(mit Ton, bei einer Minute mit Blitz)
Und das Wetter hatte mir schon die Nacht schwer gemacht. Um nicht in meinem Schlafsack zu sehr einzugehen, hatte ich die Balkontür offen gelassen. Ein Stück zumindest. Ich bekam dadurch alles mit, war draußen passierte: das Rauschen des Windes (Sturms) in den Bäumen, das Prasseln des Regens, der Donner im Gebirge. Und - so meine ich es gehört zu haben - einmal auch das Zuschlagen der Tür aufgrund des Windes.
Und dann, kurz vor Mitternacht, ging plötzlich ein helles Licht über der Tür zu meinen Zimmer an. Erst dachte ich, das Schweizer Pärchen (Lorraine und Hanno) wollten eventuell austreten (sie hätten durch mein Zimmer gemusst, es war ein Durchgangszimmer), aber es passierte nichts. Erst dann merkte ich, dass es eine andere Beleuchtung wie sonst war - scheinbar eine Notbeleuchtung. Ich testete die Steckdose: tatsächlich, kein Strom. Wahrscheinlich ist durch den Stromausfall infolge des Gewitters automatisch die Notbeleuchtung angegangen. Und ausschalten lässt sie sich nicht - ist ja Sinn und Zweck. 🙈
Ich deckte sie irgendwann mit meinen Halstuch ab und konnte wieder einschlafen, ein Weilchen zumindest. Irgendwann musste ich aber so dringend aufs Klo, dass ich nochmals wach wurde und los zog. Anschließend hatte ich noch eine Stunde bis zum Wecker - es klappte nochmal kurz.
Ich packte alles zusammen, machte mich fertig, um in Richtung des Restaurants zum Frühstücken zu gehen. Lorraine und Hanno waren inzwischen auch wach, räumten auch alles zusammen und wir zogen zusammen los. Frühstücken (ganz im Gegensatz zum gestrigen Abendessen nicht der Hit), und um 9e stand pünktlich das bestellte Taxi vor der Tür. Während des Zahlens der Unterkunft meinte die Wirtin, dass das Posto Tappa in San Lorenzo doch zu haben müsste wegen Ferien!? Lorraine hatte aber noch am Tag vorher mit der Unterkunft telefoniert und auch die Wirtin sprach nochmal mit jemandem - aber so richtig klar wurde alles nicht. Da war dann die Sprachbarriere doch zu groß für solche komplexen Themen. Wir werden ja sehen.
Also ins Taxi, los gefahren, 13 km Schlangenlinie ins Tal hinab, entlang eines wilden Sturzbaches, der gestern bestimmt noch glasklares Wasser gemütlich abwärts transportiert hatte. Es war gewaltig. Steine wurden umspült, es schäumte und grollte (so arg, dass man es sogar in Auto hörte), und es sah so aus, als ob alles mitgerissen würde, aber so weit war es nicht.
Im Tal ging es erstmal auf der Hauptstraße weiter, auch hier ein ähnliches Bild des Flusses "Orco", auch er schäumte und schlug wilde Wellen über Stromschnellen. Braun, reißend, nicht gerade harmonisch.....
Auf dem Weg ins Seitental nach San Lorenzo kam uns ein einzelner Wanderer in Regenklamotten entgegen - eindeutig ein GTA-Wanderer. Also müsste oben doch das Posto Tappa offen haben, wo sollte er geschlafen haben. Drei Kehren weiter nochmal vier Wanderer, später weitere fünf. Naja, dann ist offen, klare Sache.
Denkste! Oben angekommen war die Trattoria geschlossen - wegen Ferien. Wie schön vermutet. Das gibt es doch nicht. 😳
Wo haben sie geschlafen, die Wanderer??? Keine Ahnung! Wir wussten nicht weiter, nichts zu sehen, was nun?
Wir entschieden, uns nochmal eine Tagesetappe weiter bis nach Noasca fahren zu lassen. Hilft ja nichts, hier oben gibt es nur die eine Unterkunft.
Der Taxifahrer meinte, das ginge, also wieder rein ins Taxi und weiter. Wir wollten den anderen Läufern eine Mitfahrt anbieten, aber bis wir wieder unten waren, hatten auch sie den Abstieg geschafft. Okay, dann nicht. Und so wurden wir bis nach Noasca gefahren, abgesetzt und bekamen schon um 10e unsere Unterkunft. Ja, so früh, und der Tag war noch lang. Aber es regnete immer noch - seit dem Aufstehen. Und nicht gerade wenig.
Und genau dieser Regen hatte über Nacht nicht nicht nur den Bach von Talosio ins Tal herunter sowie den Fluss Orco anschwellen lassen, sondern jeden Bach und jedes Regenwasserrohr, was irgendwo zu sehen war. Und hier in Noasca auf eine ganz besondere Art und Weise:
Es gibt hier einen romantischen, gestuften Wasserfall ("Cascata di Noasca"), hinter dem man bei Normalwetter hindurch laufen kann. Er spuckt von weit oben schönes, klares Wasser aus dem Berg und lässt es idyllisch den Berg herunter regnen.
Heute war das anders, völlig anders. Der viele Regen hatte den Wasserfall in ein gewaltiges, donnerndes und furchteinflössendes Monster verwandelt.
Ich war fasziniert von diesem Anblick, dieser Gewalt, diesem Getöse! Man spürte in der Nähe regelrecht die Kraft des Wassers. Dennoch hielten die Wände der Uferbefestigung, die großen Felsblöcke im Flussbett bewegten sich keinen Millimeter.
Erstes Video ohne Ton, da Zeitraffer, die drei anderen unbedingt mit Ton anschauen!
Mittags war ich mit Lorraine und Hanno beim Mittagessen, am Nachmittag versuchte ich, den fehlenden Schlaf der Nacht auszugleichen - was mir aber nicht wirklich gelang. Und außerdem war da noch ein Blog-Eintrag offen. Also doch lieber Wäsche waschen und Schreiben.... 😄
Gegen sieben Uhr gingen wir zusammen einen Aperitif zu uns nehmen, danach zum Essen ins Restaurant der Unterkunft. War an sich sehr lecker, aber alle Bediensteten des Restaurants hatten eine Art an sich, die mir/uns allen nicht 'schmeckte'. Aber ich/wir sind ja morgen wieder weg (dachten die sich bestimmt auch).
Da das Wetter morgen wieder besser sein soll, plane ich, die GTA normal fortzusetzen. Dann fehlen mir halt zwei Tagesetappen - mein Ziel ist ja Nizza und nicht das vollständige Abmarschieren der GTA. Vielleicht kann ich die Lücke kleiner ausfallen lassen, die ich demnächst vorgesehen habe (und die ich machen muss, um rechtzeitig in Nizza zu sein).
Mal sehen....
Bis dann!
Schlaft gut!
Knut aus Noasca



















Tatsächlich gibt es noch eine Steigerung zu Knut-Wetter 🙈
Hast Du gar nicht versucht, hinter den Wasserfall zu kommen? 🤔
Hauptsache, Du läßt nicht den Teil aus, wo Du parallel zum GTA auf einer ehemaligen Feldbahntrasse laufen kannst:
https://hiking.waymarkedtrails.org/#route?id=7602332&type=relation&map=14.0/45.2185/7.1668
https://www-raccontapassi-it.translate.goog/la-decauville-da-margone-per-il-lago-di-malciaussia/?_x_tr_sl=auto&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=wapp
https://www-geocaching-com.translate.goog/geocache/GC64C8E?_x_tr_sl=auto&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=wapp
Anton und ich empfehlen zum Abkürzen eher die schön Trassierte Tendabahn von Cuneo Richtung Mittelmeer:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tendabahn