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PFHW-T3 - Aus Grün wird Grau

  • Autorenbild: Knut
    Knut
  • 16. Juli 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Die Nacht auf der Edelrauthütte war sehr ruhig und entspannt. Da ich mich nicht angemeldet hatte, und aufgrund meiner Größe, wurde ich in ein Lager einquartiert, das angeblich nicht richtig vorbereitet sein soll: die Decken und Kissen waren nicht ordentlich, und es war wohl nicht gestaubsaugt am Boden. Mir doch egal.

Dafür war ich alleine in einem 10-er Lager und konnte mich ausbreiten. Dementsprechend gut war die Nacht.


Das Frühstück stand dem in nichts nach. Also klare Empfehlung, die Edelrauthütte bekommt 5 Sterne von mir. Und dann bekam ich sogar noch einen Holzanhänger für den Pfunderer Höhenweg vom Wirt geschenkt - hängt nun am Rucksack.


Und los, es ist schon spät genug.

Der Weg ging sofort mit einer Krakselei zwischen Blockfelsen los. Riesige Felsen, einfach übereinander geworfen, der Weg nicht richtig definiert, jeder sucht sich seinen eigenen 'besten' Weg, nur die Markierungen geben die Richtung vor. Und so arbeitet man sich voran, von Stein zu Stein, über Kanten und große Steinflächen, je nach Wunsch und Trittsicherheit. Eine tolle Balanceübung.

"Trust your shoes!" - Vertraue der Griffigkeit deiner Schuhsohlen....



So ging das eine dreiviertel Stunde, zwischendurch immer wieder steil und über hohe Stufen einen Grashang nach oben. An einer schönen Stelle setze ich mich in die Sonne, genoss den Blick auf den Eisbruggsee und erledigte ein paar Dinge - es gab besseres Netz als an der Hütte.


Über die erste Scharte hinweg wurde der Weg nicht anders. Weiter ging es, immer Blockfelsen, kaum Stockeinsatz möglich, alles aus den Beinen machen. Ein kleines Schneefeld, und dann kam die vom Wirt angekündigte 'Goasscharte': ein ca. 40 bis 50 m hoher Kamin, in dem man sich mit Hilfe von Steigbügeln und Kette nach oben arbeiten musste. Und es war steil, fast senkrecht. Anstrengend, aber soooooo cool. Und oben die Scharte selbst: kaum mehr als einen Schuh breit, ich kam schier mit meinem Arsch* nicht durch. Was für ein Durchgang ins nächste Tal. So etwas hatte ich bislang noch nicht.



Auf der anderen Seite ging die Blockfels-Kletterei weiter. Ab und zu war es ein Grasweg, der aber so schmal war, dass man sich voll konzentrieren musste. Eine geistige Pause gewährte der Weg heute wirklich nicht. Einzige Ausnahme war, als in einem gemächlicher Bereich, wo ich mir dann doch auch mal eine Pause gönnte, ein paar Schafe grasten. Sie waren sehr neugierig, fand ich toll.



Um die Mittagszeit kamen mir dann tatsächlich auch Wanderer entgegen - natürlich alle auf dem Pfunderer Höhenweg unterwegs, in Normalrichtung (nicht so wie ich Quertreiber). Kurzes Austauschen, nette Worte, weiter geht's. Mehr als sechs Personen hab ich aber nicht getroffen auf den 15 km. Der Höhenweg ist - auch wegen seines Anspruchs - nicht sehr häufig gegangen. Eine Pärchen sagte mir, nach der Kellerscharte wird es ruhiger und entspannter. Ja, das wäre schön, ich hatte langsam Bedenken, dass ich noch ewig unterwegs bin, durch das stetige Krakseln und dem Aufmerksamkeit verlangendem Weg kam ich nicht schnell voran.


Die Kellerscharte erklomm ich noch, dann machte ich Mittagspause. Ein Apfel, ein Riegel, mehr ist nicht drin. 😄


Es wurde dann tatsächlich besser, der Abstieg sanfter, der Weg breiter und entspannter. Endlich. Mal etwas flotter gehen, nicht jeden Schritt oder Tritt suchen. Und auch das Gelände wurde sanfter. Eine kleine Hochebene, durch die sich große Bachläufe schlängelten. Es rauschte an allen Ecken, von überall kam Wasser angelaufen. Und der große Hauptbach musste zweimal gequert werden. Aber wie, wenn so viel Wasser fließt? Ich suchte am Bachlauf entlang nach einer guten Stelle. In einem Bereich gab es eine Mittelinsel aus Schotter, der Bach floss schnell und 'tief' links und rechts vorbei. So könnte es klappen: Am Ufer stehen, Stecken in die Mitte des Bachs, und mit einem großen Satz wie ein Weitspringer übers Wasser. Zweimal, dann war ich einigermaßen trockenen Fußes drüben.



Durch meine außerplanmäßige Querung des Bachs wanderte ich dann über eine große Wiese, einmal quer drüber. Und plötzlich war ganz dicht neben mir ein Murmeltier und fraß in aller Ruhe. Ich filmte das völlig gechillte Puscheltier, so cool.



Nach einer halben Stunde Höhenweg war dann der letzte Aufstieg zur Steinkarscharte erforderlich. Meine Beine waren inzwischen echt fertig, der wenige Stockeinsatz zeigte seine Spuren. Und dieser Weg hatte es nochmal richtig in sich: kleine Serpentinen, wahnsinnig steil, rutschig durch feinen Schotter. Das Beste kommt immer zum Schluss. 🙄

Blick nach unten, Schritt für Schritt, nicht nach oben schauen, hilft ja nichts. Nach der Hälfte ging die Schotterflanke in ein Schneefeld über. Am Rand konnte man auch gehen, aber wieder steil hoch, kein Weg (der lag unter dem Schneefeld), der Schotter weich und nachgebend. Nur die letzten Meter musste ich dann doch über den Schnee, war aber dann nichts mehr Schlimmes.



Und dann kam der Abstieg, runter zur Brixener Hütte. Eine kleine, aber feine Hütte.



Schlafplatz kein Problem, wunderbar. Und kaum angekommen, wurde ich von Oli und Matthias angesprochen, die mein Zelt gesehen haben. Und alles ich erzählte, dass ich von der Edelrauthütte gekommen bin, wollten sie gleich wissen, wie der Weg ist. Es war nämlich ihre nächste Tagesetappe. Und später kamen noch Maria und Miriam dazu, die sich auch erkundigten. Und so hatte ich heute einen sehr unterhaltsamen Abend, mit netten Gesprächen und Austausch.

Und nach dem Bezahlen entstand noch ein tolles Gespräch mit den Wirtsleuten. So ging ich erst um kurz vor 11e ins Bett.

Nicht schlimm, morgen steht nur eine kleine Etappe an, vielleicht ganz gut zur Entspannung. Ich merke meine Beine und Knie schon ordentlich.


Dann bis Morgen,


Knut



* Mit 'Arsch' war natürlich mein Rucksack mit Zelt gemeint!!! 😜

 
 
 

6 Kommentare

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graf.alfred
21. Juli 2024
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Danke dir Knut, durch deine Schilderung war für Miri und mich (Maria) klar wir gehen nicht weiter a‘ wegen Gewitter (kam nicht) und die Zeit mit 9 Stunden-nicht für uns- Abstieg nach Dune und wieder hoch zur Edelrauthütte, wir bewundern dich voll für das was du machst, weiterhin tolle Bergtage und komm gesund in Nizza an

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Knut
Knut
21. Juli 2024
Antwort an

Hallo Maria!


Das freut mich jetzt total, von dir (euch) zu lesen!

Und natürlich ist es schön, dass ich helfen konnte. Ist halt immer schwierig, andere einzuschätzen, die man nicht kennt. Aber wenn es euch geholfen hat - wunderbar!

Vielen Dank für deine lieben Worte.


Grüße - auch an Miri - von der Breslauer Hütte oberhalb von Vent

Knut

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Oliver K
Oliver K
21. Juli 2024
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Lieber Knut, das war ein toller Abend mit dir auf der Brixener Hütte! Wünsche dir weiterhin viel Erfolg für deine Tour und vor allem ganz viel Freude und tolle Momente!

LG vom Bodensee

Oli

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Knut
Knut
21. Juli 2024
Antwort an

Hi Oli!


Auch schön, von dir zu lesen (incl. wahrscheinlich Matthias!?).

Vielen Dank für die sehr netten Worte. Ich fand es auch sehr schön, mit euch (vieren) den Abend und das Frühstück zu verbringen. Am Tag davor (Edelrauthütte) war ich alleine, auf der Brixener Hütte nicht - dank euch!

Grüße von der Breslauer Hütte am den schönen Bodensee


Knut

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n.leetz
17. Juli 2024

Die Kletterei sieht richtig gut aus. das würde mir auch gefallen...🥰 und das Schaf Selfi ist ja richtig cool geworden... 😂 Weiter so!

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Knut
Knut
17. Juli 2024
Antwort an

Hey Niels,


das hätte dir zu 100% gefallen, wir hätten unseren Spaß gehabt. Wir müssen unbedingt den Pfunderer Höhenweg zusammen nochmal gehen - und zwar auch von Bruneck nach Sterzing. Er ist bombastisch und wenig gegangen. Und genau das macht ihn zusätzlich interessant. 😍


Das Schaf-Selfie war auch ein bisschen Glück, kaum fotografiert, ist das Schaf schon wieder weg gesprungen. 😅


Knuti

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