PFHW-T4 - Gipfelstürmertour
- Knut

- 17. Juli 2024
- 4 Min. Lesezeit

Meine Beine und Knie meckerten beim Aufstehen gehörig. Gefühlt zum ersten Mal, dass ich morgens nach dem Aufrichten etwas humpelte. War die Tour gestern so anstrengend gewesen? Scheinbar! Hatte ja abends schon etwas Probleme mit den Knien, hoffen wir, dass sich da nichts Negatives daraus entwickelt.... 🤞
Leider war das Frühstück etwas sehr spärlich von der Auswahl. So unterscheiden sich die Hütten, jeder macht es anders, überall ist das Angebot unterschiedlich.
Hier war es wie gesagt sehr dürftig. Aber es gab Müsli, das hält am Tag vor und man bekommt nicht so schnell Hunger.
Mit dem Losgehen hatte ich es nicht so eilig. Es waren nicht mal 10 km und keine 800 Hm - trotz der Planung, auf die Wilde Kreuzspitze zu gehen. Sonst wären es noch weniger. Ich machte den Blog von gestern fertig, gestern Abend hatte ich ja keine Zeit dafür! Verschickt habe ich ihn dann, als ich gutes Netz hatte.
Um 9e lief ich dann aber doch los. Ein einfacher Aufstieg durch Wiesen führte mich auf eine Hochebene, wo der Weg einmal quer durch nasse Schotterfelder ging. Ich erblickte links neben einem Schneefeld drei Personen, die sich mühsam nach oben arbeiteten. Das Schneefeld wirkte sehr steil, sodass zu vermuten war, dass die Drei bis ans obere Ende wollten. Ich ging den Markierungen nach und lief auf ein weiteres Schneefeld zu. Erst jetzt entdeckte ich, dass ich falsch gelaufen war. Aber im Schnee und den Schotter darüber konnte man erkennen, dass hier schon viele Menschen gelaufen waren. Und die Karte zeigte mir: die Wege kommen oben wieder zusammen, daher alles in Ordnung.
Dass sich dieser Fauxpas als die beste "Entscheidung" heraus stellen sollte, konnte ich ja nicht wissen. Nach Querung des Schneefeldes und einem kurzem, knackigen Anstieg stand ich vor weiteren Schneefeldern. Aber alle konnte ich am Rand bis zu flacheren Bereichen entlang laufen und queren, sodass es sehr entspannt war. Aber immer wieder sah ich die drei Personen kritisch im Schotterfeld neben dem Schnee hochkrakseln. Nicht so gut. Aber das Schneefeld an sich war viel zu steil und lang zum Queren. Und so 'überholte' ich sie relativ bald, später sah ich von oben, dass ich bestimmt eine Stunde schneller war. Eine 'falsche' Entscheidung getroffen und schon hängt man drin - zum Glück ich nicht.
Kurz vor dem Rauhtaljoch musste aber auch ich durch ein steiles Schneefeld, zum Glück aufwärts und mit einer deutlichen, und guten Spur von den vielen Wanderern der letzten Tage. Heute war ich der Erste hier oben. Am Joch musste ich dann die Entscheidung treffen: nehme ich die Wilde Kreuzspitze noch mit oder nicht. Es waren 'nur' 300 Hm zusätzlich, und der Tag war ja nicht so lange. Der Gipfel zeigte sich aber in Wolken. 🤔

Da erst für Nachmittag schlechteres Wetter angesagt war, entschied ich mich für den Aufstieg. In der Hoffnung, dass die Wolken noch aufreißen. Der Weg rauf war nicht so wahnsinnig schwer, natürlich steil (dass ist aber normal in solcher Höhe), und ging über ein paar Restschneefelder. Nur eines davon weckte ein mulmiges Gefühl im Bauch, aber auch das meisterte ich. Die letzten 200 Hm waren dann geprägt von losem und kleinkörnigem Schotter. Und es wurde luftiger. Oben angekommen, war es dann aber echt ein Highlight. Zwar keine großartige Sicht (ab und zu rissen die Wolken auf), aber ich war auf dem Südgipfel der Wilden Kreuzspitze auf 3.132 mNN. Wann war ich das letzte Mal über 3.000 mNN?
Ich glaube, dass war der Hochfeiler (3.509 mNN) bei meiner MV-Tour mit Niels.
Nach einiger Zeit sattelte ich die Hühner und machte mich an den Abstieg. Und der war leider nicht ganz so 'entspannt' wie der Aufstieg. Der Weg wurde wenig gegangen, war schlecht zu erkennen und auch so schottrig wie der Aufstieg. Langsam und bedacht ging der erste Teil ganz gut. Aber dann musste ich ein kleines Stück am oberen Rand eines Schneefeldes entlang. Und der Schotter war total weich. Ein Schritt, ein Meter rutschen. Der Schotter klirrte und schepperte, als ich ihn bei jedem Schritt zusammen schob. Aber so kam ich besser runter als übers Schneefeld. Nochmal quer durch ein Schotter-Rutsch-Feld, dann war auch diese echt bescheidene Passage geschafft und ich konnte auf fast ebenen Schneefeldern weiter gehen.
Der Rest des Weges war dann völlig entspannt. Im oberen Teil noch sehr karg und ohne großartige Vegetation, eher nass und steinig und mit Restschnee, wurde er, je weiter man nach unten kam, immer grüner und flacher. Der Blick auf den "Lago Selvaggio" (Wilder See, sorry Corinna, so heißt der See auf italienisch leider) war toll, schade nur, dass nicht die Sonne raus gekommen ist - sonst hätte er sicherlich wunderbar geglänzt.
Und so ging ich ganz gechillt und ohne Stress durch einsame Täler (bis auf den Gipfel habe ich nur vier Leute gesehen) und sah dann die Simile-Madh-Alm, meine Unterkunft für heute Nacht.
Sie liegt schön am Ende eines Tals, toller Blick auf die umliegenden Berge und nach unten, eine Kuhalm, wo das Lager direkt über den Kuhstall liegt. Wenn ich hinein möchte, muss ich auf allen Vieren krabbeln. 😄
Irgendwie uhrig und nett. Die Wirtsleute sind total freundlich. Sie kümmerten sich um mich, waren offen, das Essen total lecker, ich wurde schon fast in die Familie aufgenommen. Wirklich schön! Und es waren nicht viele Gäste da, mit mir übernachtete noch ein sehr schweigsames Pärchen im Lager. Dafür viel mehr Kinder, sie haben Ferien.
Der Abend war sehr ruhig, bin auch nicht sehr spät, doch äußerst zufrieden ins Bett. War mehr müde von der heutigen Tour als gedacht. Und es fehlt etwas Schlaf von letzter Nacht.
Morgen geht's dann auf die letzte Etappe des Pfunderer Höhenwegs, Abstieg nach Sterzing.
Und danach? Geht es in die nächsten Berge! 🥳
Schlaft gut. Bist Morgen
Es grüßt euch Hausmeister Gru















































































Wie du merkst habe ich einige Tage gebraucht um mich vom Schock beim Lesen zu erholen. Das nächste Mal bitte vorwarnen ;-)
Kein Wunder dass dort so wenig los ist...
Dir wünsche ich weiterhin eine tolle Zeit.