Stilfser Joch - Menschenmassen treffen auf Nostalgie
- Knut

- 27. Juli 2024
- 3 Min. Lesezeit

Bis Stilfs Dorf sind wir ja gestern schon gekommen - heute galt es, die restlichen Höhenmeter bis zum Stilfser Joch zu erklimmen. Aber meine Planungen hatten ergeben, dass es dann bei 14,5 km Wegstrecke 1.550 Hm hoch zu laufen wären. Zu viel für den zweiten Tag, selbst ich hätte schwer zu kämpfen gehabt. Ich suchte nach Alternativen, aber fand keinen Weg, der uns viele Höhenmeter ersparen würde. Und so entschieden wir uns, eine erste Strecke mit den Bus zu fahren, aber nicht bis ganz oben aufs Joch, sondern bei der Franzenshöhe auszusteigen und den Rest wenigstens zu Fuß zu gehen. Also ein Kompromiss mit 'nur' 640 Hm.
Wir genossen das umfangreiche Frühstück, machten uns dann fertig und nahmen den Bus, der direkt vor dem Hotel abfuhr. Die Fahrt führte uns damit natürlich auch ein Stück weit über die Stilfser Joch Passstraße, die bekanntermaßen sehr geschlängelt und eng den Berg hoch geht. Der Busfahrer wusste die Strecke zu fahren, dennoch Hut ab - so gelassen wäre ich da nicht rauf. Okay, er fährt es bestimmt mehrmals am Tag - dennoch Respekt hierfür.
Wir überholten dutzende, fast schon hunderte von Radfahrern, die sich diese Tortur freiwillig gaben: 48 Spitzkehren, ca. 1.800 Hm rauf von Prad am Stilsferjoch. Jo mei, wer's mog!
Nach einer Pause mitten auf der Straße (der Bus bergab kann wohl nur an einer bestimmten Stellen vorbei gelassen werden) erreichten wir endlich die Franzenshöhe. Wir stiegen aus, sattelten die Hühner und liefen los. Um zwei Ecken rum und wir waren alleine. Niemand mehr da. Und das blieb auch so, bis wir oben am Alpengasthof Tibet-Hütte ankamen.
Davor gab es aber noch traumhaft schöne Ausblicke auf dem Ortler (heute sogar teilweise wolkenlos an der Spitze) und die umliegenden Bergspitzen. Dazwischen blau schimmernd die Gletscher, der verschiedensten Berge: z.B. der Madatschgletscher oder der Ebenferner. Es sah so imposant aus, die Wolken veränderten ständig die Lichtverhältnisse, und je höher wir kamen, desto besser konnte man auf die Gletscher schauen. Es war einfach faszinierend.
Nach einem längerem, aber einfachen Aufstieg machten wir eine Pause, saßen da und staunten über die Aussicht und die Auswirkungen der Gletscher auf die Berge und Felsen. Und in einen Bereich mit Wiesen neben dem Weg entdeckten wir dann tatsächlich viele Edelweiß! Juhu!
Für Yvonne war es das erste Edelweiß in freier Wildbahn - sehr schön! Ich kenne das Gefühl vom Hochfeiler, dort hatte ich mein erstes Edelweiß gesehen.
An einem harmlosen Schneefeld erklärte ich Yvonne ein paar Grundsätze der Schneefeld-Querung. Das war sehr hilfreich, da es ungefährlich war und so ein paar einfache Dinge schon angesprochen waren, bevor es ernst werden könnte. Der restliche Weg ging dann durch pures Geröll und ein paar kleine Restschneefelder bis zur Tibet-Hütte, die wir uns als wirkliche Hütte vorgestellt hatten. Es war aber eher ein Restaurant mit Aussichtsterrasse, an das alle hinfahren konnten. Unter anderem 16 Supersportwagen vom Schlage Ferrari, Porsche, Chevrolet und Aston Martin. War nett anzusehen.
Wir gingen vorbei und stießen auf Menschenmassen. War aber zu erwarten gewesen. Hunderte von Motorrädern, Radlern und natürlich auch genügend Autos. Schnell zum Hotel Pirovano, wo wir ein Zimmer gemietet haben. Leider gibt es hier in der Gegend keine richtigen 'Berghütten', das kommt erst wieder. Weil es noch nicht so spät und die Tour nicht ganz so weit war, entschieden wir uns, ohne Rucksack noch die Rötelspitze (3.026 mNN) mitzunehmen. Gut 4 km und 210 Hm waren das zusätzlich. Aber es war wieder einsam, weil natürlich hier keiner hoch kommt, der sonst nicht auch wandert. Aber sowas gibt es hier nicht - außer uns. 😜
Nach dem zusätzlichen Ausflug war es schon halb sieben, bis wir zurück waren. Duschen, umziehen und etwas essen gehen.
Das Hotel hiwr ist echt der Hammer. Man fühlt sich in die 70er bzw. 80er zurück versetzt. Das Hotel wirkt so altmodisch, Wahnsinn. Die Vertäfelungen, die Einrichtungen, die Stoffe und Fliesen. Alles Old-Shool! Und die Pizza war auch etwas merkwürdig vom Teig her, hat aber geschmeckt. Und das ist das Wichtigste.
Morgen geht es ohne Bus weiter. Und es sind tatsächlich ein paar Kilometer und Hm zu bewältigen - aber hauptsächlich runter.
Dann habt eine gute Nacht.
Bis Morgen
Euer Hausmeister Gru



















































































Hat Polarsteps da einen Abstecher eingezeichnet, den Ihr gar nicht gemacht habt? 🤔