Zirben-Kleb - und Pause am Haidersee
- Knut

- 25. Juli 2024
- 4 Min. Lesezeit

Eine Nacht alleine im Lager - das macht einiges aus. So konnte ich gut schlafen, hatte genügend Platz und wurde morgens nicht von eiligen Wanderern gestört, die schon im 5 Uhr zu irgendwelchen Gletscher-Wanderungen aufbrechen.
Bis ich mit Frühstücken und fertigmachen durch war, hatte es zu regnen angefangen. Die Nacht über war es schon nass, und als ich zum ersten Mal vor die Hütte gegangen bin, war es noch trocken.
Mist, seit langem das erste Mal wieder Regen. Nicht viel, aber zu viel, um ohne Schutz loszugehen. Also Rucksackhülle raus, Regenjacke raus, anziehen, danach los.
Ich hatte mich nach Rücksprache mit der Wirtin für einen Umweg entschieden, nicht den direkten Weg ins Tal, sondern in Richtung einer Klamm, um danach auf einen Höhenweg zu kommen, der mich bis nach 'Matsch', dem Zielort meiner Wanderetappe, bringen sollte. Der Weg runter war aufgrund des Regens ziemlich glitschig und an manchen Stellen schwierig zu gehen. Es waren auch seilversicherte Passagen dabei, die aufgrund der Nässe nicht ganz einfach zu meistern waren. Und irgendwie fühle ich mich auch nicht so sicher heute, warum auch immer. Aber mit Ruhe und Konzentration konnte ich auch dass bewältigen.
Nachquerung eines Baches folgte ein kleiner Anstieg, der aber nach einer viertel Stunde bereits geschafft war und anschließend folgte der Höhenweg, der mich oberhalb des Tals immer weiter in Richtung Schluderns bzw. Mals im Reschental bzw. südlich des Reschenpass führte. Der Weg war nicht schwierig zu gehen, gut zu erkennen, breit, sehr entspannt. Es ging auf und ab, erst offen durch Wiesen und Weiden, später dann nach kleineren Abstiegen bis in den Wald hinein. Es war wenig Abwechslung, weil ich immer auf die gleichen Berge guckte und so waren eigentlich die Highlights eher die schön blühenden Blumen auf den Wiesen, ich konnte nicht anders als immer wieder Fotos zu machen. Ja, ich weiß, Blumen fotografieren, wenn es schon so weit ist! Aber ich kann ja nicht dutzende Fotos von den gleichen Gipfeln machen - auch langweilig.
Bei einem Abstieg lag plötzlich ein Zirbenzapfen auf dem Weg. Ich erkannte ihn gleich an seiner violett-schwarzen Farbe, er war an einer Stelle leicht beschädigt, was das rötliche und helle Innere zum Vorschein brachte. Ein Zirbenzapfen ist da sehr eindeutig zu erkennen, nur den passenden Baum dazu fand ich nicht. Zufälligerweise kam ein älteres Ehepaar vorbei, wir haben kurz geredet und ich fragte sie, ob sie wüssten welche der Bäume die Zirbe wäre. Das sind alles Zirben, die hier stehen, meinten sie. Ich war also tatsächlich in einem Zirben-Wald. Wow!
Als ich den Zirbenzapfen in der Hand hielt, merkte ich sofort, wie sehr das Harz an den Fingern klebte. Selbst mit mehrfachen Händewaschen mit Wasser bekam ich das Harz fast nicht mehr von den Händen weg - aber es roch wahnsinnig gut. Am liebsten hätte ich mehrere Zapfen aufgehoben, gesammelt und eingesteckt, aber dann hätte ich die Zapfen in eine Tüte tun und die ganze Zeit mitschleppen müssen. Will ich natürlich auch nicht. Und Schnaps kann ich daraus jetzt auch keinen machen....
In bin den ganzen Tag über immer wieder an Zirbenbäumen vorbeigekommen und habe Zapfen am Boden liegen sehen. Die meisten waren schon abgeknabbert von Vögeln oder anderen Tieren, aber am Baum habe ich keinen einzigen Zapfen gefunden. Von dem her war ich etwas irritiert, weil ich zwar Zapfen am Boden gefunden habe, aber keine am Baum.... Warum? Ist mir bis jetzt noch ein Rätsel.
Gegen Mittag fand ich eine kleine Anhöhe mit einem alten, vertrockneten Baum und perfektem Blick ins Tal runter. Ich setzte mich hin zum Mittag machen. Ich saß da eine Stunde, habe den Ausblick und die Sonne genossen und bin dann weiter gelaufen Richtung Matsch. Der Weg verlief wieder in einem leichten auf und ab durch den Wald. Mal Tannen, mal mit Zirben, teilweise auch durch Wiesen und Freiflächen, so dass eigentlich ständig für Abwechslung gesorgt war. Nur der Blick auf die Berge veränderte sich nicht.
Der Schluss bildete ein Abstieg in die Ortschaft Matsch, wo ich mir eine Busverbindung nach Mals herausgesucht hatte. Bis nach Mals bzw. St. Valentin auf der Haide wäre ich nicht mehr gekommen, das hätte mich einen Fußmarsch von mehr als 30 km bedeutet. Das war zu viel. Mir haben beim Abstieg schon so dermaßen die Füße weh getan, dass ich kaum mehr laufen konnte. Nicht, weil ich keine Kondition oder Kraft mehr gehabt hätte, nein, irgendwie brannten meine Zehen und taten unglaublich weh - selbst nach den 'nur' gut 16 km. Warum auch immer... Okay, es waren über 1.400 Hm runter, aber dass mir die Füße so weh taten, konnte ich mir nicht erklären. Ich hatte sogar die Schuhe extra enger gebunden.
Ich war auf alle Fälle froh, endlich am Bus zu sein. Kein guter Tag. 🙈
Vielleicht war es einfach auch in letzter Zeit viel, ich rechnete mir aus, dass ich nun schon wieder seit 12 Tagen am Stück gelaufen bin. Doch Zeit für eine Pause?
In Mals musste ich umsteigen, nutzte aber den Umstieg auch, um mich mit frischen Obst und etwas kaltem zu Trinken einzudecken. Und, um mir am Bahnhof in Mals das außergewöhnliche Gleisfünfeck anzusehen, eine besondere Anordnung von Gleisen und Weichen aus der Nachkriegszeit, um Dampflokomotiven ohne Drehscheiben wenden zu können.
Anschließend ging es weiter nach St. Valentin auf der Haide, wo ich eine Unterkunft für die beiden nächsten Nächte hatte. Ich brauche unbedingt einen Pausentag. Und am heutigen Donnerstag ist dann auch Yvonne hier eingetroffen. Bei ihr hatte sich die Anreise aus persönlichen Gründen verschoben. Das passte also alles zusammen.
Ich plante vormittags die nächsten Tage neu, weil ich durch den Schweizer Nationalpark keine Übernachtungsmöglichkeiten fand. Für den ersten Tag schon noch, aber danach war es echt aussichtslos. Und ich hatte schon damals daheim am Computer so meine Probleme und musste Monster-Etappen vorsehen, was nun aber mit Begleitung noch viel schwieriger zu meistern gewesen wäre. Und so hab ich nun eine völlig andere Route gefunden, die aber eher in Italien bleibt (günstiger), noch dazu besser schaffbare Etappen beinhaltet, und trotzdem in Richtung des Lago Maggiore führt. Mal sehen, ob ich nun eine bessere Route habe.
Mittags kam dann Yvonne angefahren und wir gingen noch einmal um den Haidersee, waren nur 5 km und somit ein guter Pausentag für mich, und ein guter Einstieg für sie nach dem Stress auf der Arbeit und den letzten Vorbereitungen auf die Wanderung.
Morgen geht es dann in Richtung des Stilfser Joch. Bin gespannt, wie es dort aussieht, war ich noch nicht. Und wie sich meine Beine und Füße nach den Pausentag anfühlen.
Bis dann, ich werde es euch erzählen - morgen!
Liebe Grüße, Knut



























































































Die Füße haben Dich nicht abgehalten, das Gleisfünfeck (oder "Wendestern") zu besuchen, sehr gut! ⭐️ 🚂
Hatte natürlich schon in Polarsteps verfolgt, ob Du dort warst, und gesehen, daß es Dich sehr schön in der Mitte verortet hat. 😄